Geschichte von Fidelio

Fidelio Hahn

Wie schön ist es doch, wenn man sich an ein besonderes Ereignis und an einen historischen Tatbestand erinnern kann. Niemand hätte es 1929 für möglich gehalten, daß man sich 2009 noch mit großer Freude dankbar an eine Vereinsgründung erinnert. Denn am 19. Mai 1929 versammelten sich in der Gaststätte „Deutsches Haus“ bei Josef Steinacker in Bürrig 9 Junggesellen um eine Vereinigung zu bilden, die sich zur Aufgabe gestellt hat, Tradition und Brauchtum aufrecht zu erhalten. Es waren dies die Junggesellen : Heinrich Schmitz, Johann Radojewski, Peter Esser, Peter Schmitz, Peter Zons, Richard Esser, Adolf Schmitz, Johann Lützenkirchen und Mathias Hamacher. Nach eingehender Beratung erfolgte die Gründung des Junggesellenklubs unter der Bezeichnung „J.G.K. Fidelio“. Man gab sich eine Satzung und war bemüht, die hier festgelegten Aufgaben auch in die Tat umzusetzen.

Um diesen Gründungsakt aber zu begreifen, ist es erforderlich, sich zunächst einmal mit der damaligen Situation zu befassen. Vor dem ersten Weltkrieg, also vor 1914, gab es für den Ablauf der Volksfeste, wie 1. Mai und Kirmes zur Erhaltung des Brauchtums festgefügte Regeln und Abläufe des Rituals. Der jeweils zum Wehrdienst einberufene Jahrgang der jungen Männer, hatte die Feste auszurichten und war für die Organisation verantwortlich. Man nannte diese Gruppe „Der Zog“, das heißt : die zum Wehrdienst Eingezogenen.

Mit Ende des verlorenen Krieges 1918 entfiel diese Tatsache und es entstand ab dieser Zeit ein Vakuum, was die Durchführung der Volksfeste betraf. In kleineren Zirkeln wurde jährlich versucht, das Brauchtum hochzuhalten, aber eine geschlossene und tatkräftige Organisation gab es nicht mehr. Mit dieser Situation war man aber im Laufe der Jahre unzufrieden. Im Dorf selbst und an den Theken der Gaststätten wurde der Wunsch immer lauter, hier eine Änderung herbeizuführen und sich für einen Neubeginn einzusetzen. Der Gastwirt Josef Steinacker hat dann 1929 die Angelegenheit aufgegriffen und ist aktiv geworden. Er hat die ihm bekannten Junggesellen davon überzeugen können, daß die Bewahrung von Brauchtum und Tradition für ein Dorf von ganz besonderer Bedeutung ist. Nach dem Motto :

Besseres kann kein Volk vererben, als vererbter Väterbrauch.
Wo des Landes Bräuche sterben, stirbt des Landes Blüte auch!

konnte er die Bürriger Junggesellen für die Aufgabe begeistern. So kam es dann zur Gründung der Vereinigung zur Pflege von Brauchtum und Tradition in Bürrig. Es gab noch nicht die Stadt Leverkusen, als die erste neu organisierte Kirmes in Wiesdorf-Bürrig mit großer Resonanz gefeiert wurde.

Die Vereinsaufzeichnungen aus den Jahren 1929 bis 1939 berichten von positiven Abläufen der Volksfeste, aber auch von den Höhen und Tiefen im Vereinsleben und den Schwierigkeiten in der NS-Zeit, die Feste eigenständig zu gestalten. Der unselige Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 beendete alle die bekannten Aktivitäten und brachte das Vereinsleben zum Erliegen. Die Mitglieder waren Soldaten und kehrten überwiegend aus dieser Katastrophe nicht mehr in die Heimat zurück. Es schien jede Tätigkeit hoffnungslos und der Kampf um das tägliche Brot bestimmte den Alltag. Trotzdem regte sich der Wunsch nach einem Neuanfang und neues Leben stieg aus den Ruinen. Bereits 1946 organisierte die Bürriger Jugend die erste Nachkriegskirmes. Der Erfolg gab ihr Recht und bereits am 29. August 1946 entschlossen sich 11 Junggesellen, den seit 1939 nicht mehr in Tätigkeit gewesenen Klub neu zu gründen. Die 11 waren : Hans Eckes, Heinz Keiler, Peter Richrath, Robert Meuser, Toni Schmitz, Hans Hamacher, Hans Meyer, Heinrich Brück, Hans Höck, Hermann Mebus und Heinz Schlattmann.

Und so wird Jahr für Jahr der 1. Mai und die Kirmes vom J.G.K. Fidelio organisiert und in die Tat umgesetzt. Alle fünfundzwanzig Jahre wird in besonderer Weise das jeweilige Fest gestaltet und es wird den Zeitumständen entsprechend, immer wieder versucht neue Akzente zu setzen. Verständlicherweise wechseln im Laufe der Zeit die Personen, aber die Aufgabe, Brauchtum zu pflegen und zeitgemäß zu gestalten ist über die lange Distanz geblieben. Jedoch erfolgte im Jahr 1980 eine Zäsur. Interne Probleme führten zu einer Organisationsreform. Eine neue Satzung öffnete den Mitgliederkreis und erweiterte die Handlungsfähigkeit der Vereinigung. Seit dieser Zeit haben die Volksfeste in Bürrig einen sehr hohen Stellenwert in unserer Großstadt Leverkusen. Fast 300 Mitglieder sind aktiv, bringen ihre Kenntnisse ein und sind stets bemüht, das Image zu verbessern.

Der kurze Gang durch die 80-jährige Geschichte des Heimatvereins will uns daran erinnern, dass die Pflege von Brauchtum und Tradition ein hohes Gut für die Gemeinschaft ist:

Am bewährten Alten in Treue halten.
Am schönen Neuen sich täglich erfreuen.
Das dies so ist und bleibt auch so dafür sorgt „Fidelio“!